Rennmaus
Mongolische Rennmäuse (Meriones unguiculatus)
Mongolische Rennmäuse sind in der Heimtierhaltung sehr beliebt. Sie werden im Zoofachhandel häufig auch unter den Namen Wüstenrennmaus oder Gerbil angeboten. Allerdings sind beide Namen falsch und eher irreführend, sie leben nicht in Wüsten sondern in sandigen und eher kühlen Steppen und sie gehören auch nicht zur Gattung Gerbillus, sondern zu den Sandmäuse (Meriones). Obwohl sie also zur Unterfamilie der Rennmäuse gehören, wäre die Bezeichnung Gerbil für sie falsch, denn das würde alle Rennmausarten einschließen und als Heimtiere werden in erster Linie nur die Mongolischen Rennmäuse gehalten. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet sind die sandigen Steppen Zentral- Süd- und Nordostmongolei, ebenso ist sie in China zu finden. Sie besiedeln bevorzugt Gebiete rund um Feldern und Weideland und sind den Menschen dort als Schädlinge sehr bekannt. Sie legen unterirdische Baue an, die sie im Familienverbund bewohnen. Jeweils ein Pärchen wohnt zusammen in einem Nest, die Nester vieler Paare aus einer Familie liegen nah beieinander und sind durch Gangsysteme verbunden.
Mongolische Rennmäuse haben eine Körpergröße von etwa 10 -14 cm und einen etwa 10 - 12 cm langen Schwanz. Sie werden bei guter Pflege 2,5 bis 5 Jahre alt. Das durchschnittliche Körpergewicht liegt bei weiblichen Tieren bei 60 - 100 g, bei den männlichen, meist kräftigeren Tieren bei 70 - 110 g. Sie sind mittlerweile in vielen Farben erhältlich, von agouti (wildfarbend grau oder braun), über weiß, schwarz, beige, silber und auch bunt gescheckt.
Nie allen
Rennmäuse sind sehr gesellige Tiere und sollten niemals einzeln gehalten werden. Idealerweise werden gleichgeschlechtliche Geschwistertiere aus einem Wurf zusammen gehalten. Oder es werden Jungtiere, die jünger sind als 10 Wochen mit älteren Tieren vergesellschaftet. Wir raten dazu nur zwei Rennmäuse zusammen zu halten, das entspricht ihrer natürlichen Lebensweise als Paar. Von der Paarhaltung wird abgeraten. Alle 5 - 7 Tage wird ein Weibchen hitzig und bekommt nach einer Trächtigkeitsdauer von etwa 25 Tagen meist 4 - 7 Junge. So kann ein Paar innerhalb eines Jahres über 60 Nachkommen erzeugen.
Die Rennmaus als Heimtier
Rennmäuse eignen sich nicht als Spielgefährten für kleine Kinder. Sie sind sehr empfindlich und könnten durch Kinder leicht verletzt werden. Rennmäuse sind ideale Hausgenossen für Teenager sowie erwachsene und berufstätige Menschen, da ihre Hauptaktivitätszeit in den Abendstunden liegt. Manche Rennmäuse werden handzahm und spielen sogar mit ihren Menschen.
Umgangsregeln
Rennmäuse dürfen nicht zum Spielen geweckt werden, dann könnten sie zubeißen und mit starkem Stress reagieren. Ihre Umgebung sollte möglichst ruhig sein, laute Fernseher oder Stereoanlagen gehören nicht in ihre Nähe. Raumdüfte und Zigarettenduft können Rennmäuse krank machen. Neue Rennmäuse werden vorsichtig gezähmt, den Tieren werden Leckerchen von Hand gereicht, damit sie die Hand langsam kennen lernen können. Wenn sie die Hand kennen, werden sie drauf krabbeln, dann können sie langsam an das Hoch nehmen gewöhnt werden. Zum Tragen wird mit beiden Händen eine Höhle für die Rennmäuse gebildet, denn Rennmäuse springen schnell von einer Hand. Für längere Strecken wird eine Transportbox verwendet. Rennmäuse dürfen niemals an der Schwanzspitze hoch genommen werden! Der Schwanz könnte abbrechen, die Haut könnte abreißen, denn die Rennmausschwänze sind nicht sehr robust.
Rennmauswohnungen
Ein Aquarienbecken mit Gitterabdeckung oder ein gut belüftetes Terrarium mit einer Bodenfläche von mehr als 0,4 m² und einer Höhe von mindestens 40 cm eignet sich am besten für Rennmäuse. Gitter von Käfigen oder Aquarienabdeckungen sollten einen Höchstgitterabstand von 1,2 cm bei erwachsenen Tieren nicht überschreiten. Käfige und Volieren eignen sich für Rennmäuse nicht, da sie eine sehr hohe Einstreuschicht benötigen um darin ihre Gänge zu bauen. Die Einstreuhöhe sollte mindestens 20 cm betragen. Verwendet wird dafür normale Holzeinstreu oder Hanfstreu, vermischt mit Stroh und Heu. Katzenstreu darf auf keinen Fall verwendet werden. Alle vier Wochen wird das Gehege gründlich gereinigt, die Pinkelecken werden alle 2 - 3 Tage gesäubert. Kot und Urin wird regelmäßig von den Etagen entfernt. Während der Grundreinigung bleiben die Rennmäuse zusammen mit ihrem Nest in der Transportbox, wenn das Nest sauber ist, wird es anschließend wieder zurück in das Gehege gegeben.
Das Gehege wird mit verschiedenen Holzbrücken, großen Häusern, Rampen, Korktunneln, Wurzeln eingerichtet. Pappröhren, Äste und unbedruckte Kartons werden zum benagen angeboten. Schwere Häuser und Einrichtungsgegenstände gehören auf den Boden, damit die Rennmäuse sich nicht darunter einklemmen können. Eine Buddelecke mit Chinchillasand ist beliebt und für die Fellpflege unentbehrlich. Plastiktunnel und andere Einrichtungsgegenstände eignen sich nicht, in ihnen herrscht keine ausreichende Luftzirkulation, wenn sie angenagt werden, können gefährliche Splitter entstehen. Als zusätzliches Nistmaterial sollten auch Papier, Blätter und Taschentücher angeboten werden.
Ein Laufrad, auf einer Etage aufgestellt, sollte angeboten werden. Es muss einen Mindestdurchmesser von 25 cm aufweisen. Die Lauffläche muss völlig geschlossen sein, in offenen Streben können sich die Rennmäuse einklemmen.
Rennmäuse sind neugierige und aktive Tiere. Sobald sie handzahm sind, können sie Auslauf bekommen. Allerdings sind sie recht flink und schnell unter einem Schrank oder dem Bett verschwunden. Deshalb ist es ratsam, ihnen nur auf einer gesicherten Fläche Auslauf zu geben. Dazu können einfach 50 cm hohe Wände aus Pappe oder Hartfaserplatten in einer Zimmerecke aufgestellt werden.
Der Rennmausspeiseplan
Im Zoofachhandel sind Trockenfuttermischungen für Rennmäuse zu bekommen. Allerdings sollten diese nur als Basisfutter genutzt werden. Kleinsämereien (z.B. ein hochwertiges Wellensittichfutter) sollten zusätzlich in das Futter gemischt werden. Die Trockenfuttermischung von Rennmäusen sollte aus Kleinsämereien (Hirse, Grassamen, Kräutersamen) und Trockengemüse (Möhren, Pastinaken, Petersilienwurzel) bestehen. Zusätzlich werden auch Trockenkräuter (Löwenzahn, Spitzwegerich, Schafgarbe etc.) und Blüten (Ringelblumenblüten, Sonnenblumenblüten, Gänseblümchen) angeboten. Ein Teil des Trockenfutters wird im Käfig verteilt und versteckt. Nüsse/Kerne,Sonnenblumenkerne, Pinienkerne, Erdnüsse, Haselnüsse, Walnüsse, Kürbiskerne, Erbsenflocken und Johannisbrot können als Leckerchen in kleinen Mengen von Hand verfüttert werden.
Rennmäuse sind keine reinen Vegetarier, sie benötigen tierisches Eiweiß um gesund zu bleiben. Es reicht aus, 3 - 4 x die Woche tierische Nahrung zu geben. Geeignet sind: Mehlwürmer, ebenso Heimchen und Grillen sowie Magerquark und Magermilchjoghurt.
Einmal täglich werden verschiedene Gemüsesorten (Fenchel, Möhren, Gurken, Paprika, Mais, Salat) angeboten. Rennmäuse neigen zur Diabetes, weshalb Obst (Äpfel, Beeren, Birnen) nur ein sehr seltenes Leckerchen bleiben solle. Frisches Gras, Wiesenkräuter und Küchenkräuter gehören ebenfalls auf den Rennmausspeiseplan.
Nagerstangen, Joghurtdrops und andere zucker- und fetthaltige Nahrungsmittel sollten nicht verfüttert werden, sie führen zu Übergewicht. Kalksteine sorgen für ein Kalziumungleichgewicht und sollten ebenfalls nicht angeboten werden.
Rennmäuse müssen jederzeit Zugang zu einem Wassernapf oder einer Tränke haben. Das Wasser wird täglich sauber auf einer Etage über der Einstreu angeboten.
Gesundheitscheck
Rennmäuse zeigen Krankheiten recht spät an, deshalb sollten die Tiere immer gut beobachtet werden um Krankheiten rechtzeitig zu erkennen. Fällt eine Veränderung auf, ist unverzüglich ein Tierarzt aufzusuchen. Folgendes wird täglich kontrolliert:
- Kommen alle Rennmäuse zum Fressnapf, suchen sie ihr Futter und fressen sie normale Futtermengen?
- Sind sie munter, neugierig und an ihrer Umgebung interessiert, buddeln und laufen sie normal?
- Verhalten sich die Tiere normal gegenüber den Artgenossen und dem Halter?
- Putzen sie sich gründlich? Ist ihr Fell sauber, dicht und glatt?
- Sind die Augen klar und nicht verklebt?
- Ist der After sauber? Haben die Köttel die übliche Größe, Form und Festigkeit?
Anschaffung
- Ratgeber zum Thema Rennmaushaltung z.B. "Rennmäuse freundlich * clever * aktiv" von Heike Schmidt-Röger aus dem Ulmer Verlag
- Terrarium oder Aquarium
- Einstreu, Heu, Stroh
- Rennmaustrockenfutter, Kräutermischungen
- Schlafhäuschen
- Futternäpfe und Wassernäpfe/Tränken
- Käfigeinrichtung wie Korkrinden, Holzröhren, Weidenbrücken, Etagen
- Sandbadeschale und Badesand
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